Studenten-WM 1998     cme.gif (496 Byte)
Coupe du Monde de Voile Etudiante
20ème édition

La Trinité sur Mer du 24 au 31 octobre 98
Mondial 98

Vom Pech verfolgt

Seit 1980 wird Ende Oktober, wenn in unseren Breiten Väterchen Frost und der erste Schnee das Geschehen in ihren Bann ziehen, von der renommierten Eliteuniversität Ecole Polytechnique de Paris die Segelweltmeisterschaft für Studenten ausgerichtet.

Ein Österreichisches Team nimmt seit 1993 in ununterbrochener Reihenfolge an dieser Veranstaltung teil, zu der jedes Jahr circa 20 der weltbesten Studententeams zur Teilnahme eingeladen werden. Nachdem ein Grossteil der bisherigen Mannschaft des Austrian Academic Sailing Teams aus Altersgründen ausgeschieden war, stand die heurige Teilnahme unter dem Zeichen eines "Neubeginns". Mehrere Schlüsselpositionen mussten demzufolge neu besetzt werden. Nichtsdestotrotz sollte aber an die Erfolge aus den vergangenen fünf Jahren angeknüpft werden.

Um auch in Zukunft eine, weil immer wichtigere, professionelle Vorbereitung gewährleisten zu können, wurde eine Zusammenarbeit mit dem Austrian Academic Sailing Club (kurz AASC), der Plattform für den Studentensegelsport in Österreich, begonnen. Vom Team AAST 1997 blieben lediglich Bärbl Schmal-Filius, die in bewährter Manier das Klavier bediente, Christoph Skolaut, der das Schiff auch heuer wieder unbeschadet und schnell über den Parcours lenkte, zusätzlich noch die Agenden des Skippers überhatte, und Volker Moser, der seine Hassliebe zu Genua und Spi auch dieses Jahr wieder offen zu Tage trug. Ergänzt wurden sie von der Creme de la Creme an Österreichs seglerischen Jungakademiker. Für den anspruchsvollen Job als Taktiker konnte Alexander Besler, dessen Kenntnisse in der Yngling- und Drachenszene schon lange geschätzt werden, gewonnen werden. Den Knochenjob am Grosssegel übernahm Laser-Kader-Segler Matthias Stepanek, dessen Kraftkammer-gestählter Körper für diese Aufgabe geradezu prädestiniert schien. Die illustre Runde des Cockpits wurde durch Laserhoffnung Christina Hauer komplettiert, welche ihre gesamte Kraft in die Bändigung der Genua investierte. Die undankbare Aufgabe des Vorschiffs übernahmen dankenswerter Weise Yngling-Staatsmeister Georg Skolaut und Top-Cat-Europameister Jaun Wickl, die vor der Abreise sicher noch nicht wussten, worauf sie sich einliessen.

Mit einer derartigen Blutauffrischung sah man auch den bekannt furchteinflößenden Bedingungen vor La Trinite an der französischen Atlantikküste gelassen entgegen. Nach einer Premiere, nämlich der ersten komplikationsfreien Anreise, kam das Team AAST erschöpft, aber glücklich am Tage des legendenumwobenen Dinner of the Crews vor Ort an. Mit der Österreich-typischen Brettljause konnte auch heuer wieder ein Highlight gesetzt werden, wenngleich sich auch die restlichen Nationen dieses Jahr nicht lumpen ließen und groß auftischten. Aber gegen die tückische Wirkung von Kren und Schnaps sind Sushi, Lachs und Co. nur Waisenknaben. Auch die neuen Crewmitglieder reihten sich sofort nahtlos in die Reihe der berüchtigten AAST-Recken ein, denn als sich das Dinner of the Crews dem Ende entgegenneigte, wußten alle restlichen 17 Nationen mit wem sie es bei diesem Event zu tun bekommen würden.

Wohlweislich wird von den Organisatoren am nächsten Tag lediglich das Practice-Race, das einer ersten Formüberprüfung dient, angesetzt. Diese erste Prüfung konnte das Österreichische Team jedoch nicht bestehen, da schon in der Vorstartphase wenige Sekunden vor dem Start bei 35 Knoten Wind das Großsegel entschied, seine Mitarbeit aufzugeben. So wurde den restlichen Nachmittag mit verkleinertem Grosssegel ein Manövertraining absolviert, um für die nachfolgenden Wettfahrten bestens gerüstet zu sein.

Als am nächsten Tag, dem Montag, nach der feierlichen Eröffnung die entscheidenden Wettfahrten um den Weltmeistertitel begannen, war das Team wieder mit neüm, aber keinesfalls neuwertigem Material - Grosssegel, Segellatten, usw. - ausgestattet, um der äusserst starken Konkurrenz Paroli bieten zu können. Zwei Up-and-Down-Wettfahrten bei herrlichem Sonnenschein und 30-35 Knoten Wind boten spektakuläre Zweikämpfe um die einzelnen Plazierungen und perfekte Bootsbeherrschung der verschiedenen Studenten-Teams. Trotz Materialproblemen, das Grosssegel begann sich bei einem Reffversuch am Achterliek aufzulösen, schlug sich das neuformierte Team überraschend gut und landete mit den Plätzen 6 und 7 im vorderen Feld. Beobachtet werden konnte heür auch eine Entwicklung, dass die bei Sportlern zur Regeneration nötige Nachtruhe von immer mehr Teams trotz mehrerer angesetzter Parties eingehalten wurde. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Vorbereitung der einzelnen Teams immer professioneller organisiert wird, und um dem hohen finanziellen Aufwand der Individual-Sponsoren gerecht zu werden, dementsprechende Top-Plazierungen erreicht werden müssen. Der nächste Tag begann wenig einladend mit Gewitterböen und schwerem Regen. Trotzdem wurde die gesamte Flotte abermals bei mittlerweile gewohnten 30 Knoten und mehr Wind um einen Up-and-Down-Kurs gejagt. Die Österreicher lagen wiederum gut im Rennen, als der Spinnaker am ersten Vorwind aus allen Lieken flog. Mit einer ausgebaumten Genua1 bestritt man den Rest der Vorwindstrecken und konnte somit nur mehr den Platz halten, an einen Angriff auf die vorderen Plätze war nicht mehr zu denken.

Als Draufgabe fiel der sich an diesem Tag bereits nicht wohl fühlende Matthias Stepanek durch eine bakterielle Infektion, wie sich später beim Arzt herausstellen sollte, für die nächsten zwei Wettfahrttage aus, da er bei Antibiotika das Bett hüten musste, um wenigstens am letzten Tag wieder einsatzfähig zu sein. Dies hatte natürlich auch Umstellungen im Österreichischen Team zur Folge. Zunächst musste ein Ersatzmann für ihn gefunden werden, da laut Segelanweisungen nur Teams mit acht Crewmitgliedern an den einzelnen Wettfahrten teilnehmen dürfen.

So wurde die rein Österreichische Crew durch einen französischen Legionär aus dem Kreise der Organisatoren verstärkt. Des weiteren mussten die Positionen neu festgelegt werden. Den äusserst kräfteraubenden Job am Grosssegel übernahm Volker Moser. Seine Aufgaben - Trimm von Genua und Spi - übernahm "unser" Hochsee-erprobter Franzose Vincent Malfere, der sich nach anfänglichen Kommunikationsproblemen - umgangssprachliche, hektische, laut von sich gegebene "Manöveranweisungen" sind für Nicht-AASTler schwer verständlich - sehr gut ins gesamte Team integrierte. Belohnt wurde seine ausgezeichnete Leistung durch die feierliche Übergabe eines franzengelben AAST-Poloshirts durch Cheftrimmer Volker Moser.

Ausgestattet mit einem neuen Spinnaker wurde am darauffolgenden Mittwoch nach einer Startverschiebung, ausgelöst durch eine Sturmwarnung, verspätet die erste Langstrecke gestartet, die aufgrund der Vorkommnisse noch für Diskussionen sorgen sollte ... . Nach einer exzellenten Startkreuz bei 40 Knoten Wind, mit Spitzen in den Böen bis zu 50 Knoten, sah man sich an aussichtsreicher 6. Position nur knapp hinter den führenden Nationen. Einen möglichen Wettfahrtsieg vor Augen, kämpfte sich das Österreichische Team auf einer kräfteraubenden Raumen in Lee knapp an den sieggewohnten Finnen vorbei. Die Träume nach dem allerersten Sieg in einer Wettfahrt durch das Austrian Academic Sailing Team zerschellten jedoch jäh an der Wendemarke "Banc de Quiberon Nord", als durch ein schlechtes Rundungsmanöver des finnischen Teams nicht gehalst werden konnte und wertvoller Boden auf die führenden Boote verloren wurde. Die Entscheidung, ob am nachfolgenden Vorwindschenkel der Spi gesetzt werden sollte, wurde uns von den an zweiter Stelle unter Spi segelnden Holländern abgenommen, als bei diesen der Mast in drei handliche Teile zerbrach. Das englische Team sollte es nach dem Zieldurchgang erwischen, als ihr Boot durch eine Böe flach auf den Atlantik gedrückt und dabei der Mast irreparabel beschädigt wurde. Unbeschadet überquerte hingegen das Österreichische Boot an nunmehr enttäuschender siebter Stelle die Ziellinie. Bei den nachfolgenden Protestverhandlungen durch Anträge auf Wiedergutmachung des holländischen und des englischen Teams konnte sich die Jury durch zahlreiche fragwürdige Entscheidungen, in denen ihre scheinbare Willkür zum Ausdruck kam, nicht gerade auszeichnen. Wie im letzten Jahr fiel auch heür das nicht-nachholbare Night-Race den stürmischen Wind- und Wetterbedingungen zum Opfer. Eine fulminante Party am selben Abend sollte jedoch die Segler ob der vergebenen Möglichkeit sich im sportlichen Wettkampfe zu messen, vertrösten.

Somit konnte sich das Team AAST, einer ehernen Tradition folgend, auf einen weiteren Teilerfolg in der Partywertung konzentrieren. Dazu zählt neben dem Knüpfen von intensiven Kontakten mit anderen Teams, die Vertiefung zwischenmenschlicher Beziehungen mit fremden CrewmitgliedernInnen, um eventüll das eine oder andere Geheimnis des seglerischen Erfolges zu ergründen, oder schlichtweg das Ausschalten von Gegnern.

Der Donnerstag vormittag bot die Möglichkeit sich von den Strapazen der Nacht zu erholen, da der Start zum fünften Race erst kurz nach Mittag angesetzt wurde. Pech für das Österreichische Team in der ersten Wettfahrt dieses Tages, das durch eine umstrittene Disqualifikation infolge eines heiklen Bojenmanövers eine weitere Möglichkeit auf Resultatsverbesserung vergeben hatte. Bei leichteren Winden (20-25 Knoten) brach nach einem sehr guten Start zur abschliessenden Langstrecke in der Nachstartphase der Pinnenausleger, der nur notdürftig durch den Einsatz von Unmengen an Silbertape repariert werden konnte. Dadurch gehandikapt startete man eine Aufholjagd, die durch einen taktischen Leckerbissen auf der abschliessenden Kreuz noch zu Platz sieben führte. Am letzten Wettfahrttag konnte das nunmehr wieder komplette Österreichische Team - Matthias Stepanek, zwar entkräftet, liess sich die letzten Wettfahrten nicht entgehen - in den beiden ersten Up-and-Down-Wettfahrten nicht an die bisher gezeigten Leistungen anschliessen. Somit blieb für das Austrian Academic Sailing Team nur die abschliessende neunte Wettfahrt, eine Langstrecke, um das in ihr schlummernde Leistungspotential aufzuzeigen. Nach einer kurzen Kreuz war das gesamte Feld an der Vorlegetonne nur durch sehr geringe Abstände getrennt, wodurch für die darauf folgende ca. fünf Seemeilen lange Vorwindstrecke alle Möglichkeiten offen waren. Durch eine exzellente Vorwindtaktik, gepaart mit ausgezeichneten Manövern und hervorragendem Speed hielt man sich an der Spitze und konnte knapp vor der nächsten Rundungstonne noch das spätere französische Weltmeisterteam durch ein überraschendes Manöver, das die Innenposition einbrachte, überholen, sodass Team AAST nun als dritte den folgenden Raumschenkel begann. Den ersten Platz in Reichweite verabschiedete sich kurz nach der Tonne der "neue" Spi bei lächerlichen 25-30 Knoten Wind, sodass den Österreichern damit auch die letzte Chance genommen wurde, sich im Vorderfeld zu klassieren. Mit Genua 1 und unermüdlichem körperlichen Einsatz konnte zwar die Geschwindigkeit annähernd gehalten werden, doch schlussendlich musste ein Team nach dem anderen vorbeigewunken werden. Auf der Zielkreuz wurde alles auf eine Karte gesetzt, aber selbst ein Extremschlag brachte keine erhebliche Verbesserung mehr. Somit blieb in der Langstrecke nur mehr der enttäuschende 13. Platz.

Im Endklassement bedeutete dies schlussendlich für das Austrian Academic Sailing Team den neunten Platz unter 18 teilnehmenden Studententeams aus 16 Nationen.

An der Spitze segelte das ISIM-Team der französischen Universität aus Montpellier souverän zum Weltmeistertitel. Lediglich am Beginn der Serie konnte das später aufgrund des Mastbruchs nicht mehr gestartete holländische Team den Franzosen Paroli bieten. Wie wichtig eine intensive Vorbereitung für diese hochkarätig besetzte Regatta ist, zeigt die Tatsache, dass das Siegerteam der INSA-Lyon aus dem Vorjahr heuer nicht als Training an der Tour de France des Segelns, die ebenfalls auf Booten des Typs Jeanneau One Design 35 gesegelt wird, teilgenommen hat - ganz im Gegenteil zum siegreichen ISIM-Team. An der dritten Stelle konnte sich das überraschend starke Team der Universität von Rhode Island aus den Vereinigten Staaten klassieren.

Rückblickend auf die heurige Veranstaltung waren sich alle acht Österreichischen Segelstudenten einig, dass auch im nächsten Jahr wieder ein Team an der offiziellen Segelweltmeisterschaft für Studenten teilnehmen muss, um endlich den ersten Wettfahrtsieg nach Österreich zu holen. Oder vielleicht ist dann sogar etwas mehr möglich ...

AAST
DI Christoph Skolaut, AAST

 

Ergebnisse (TOP FIVE)

  • 1 FRA-Montpelier 38.1
  • 2 FRA-Lyon 51.4
  • 3 USA (URI) 56.8
  • 4 FIN 61.7
  • 5 DEN 62.1

Ergebnisse

Point totals after 6 races ( includes throwout of worst race in the series)

  • 1 France - Montpellier 14.4
  • 2 Denmark 33.4
  • 3 France - Lyon 40.4
  • 4 USA (URI) 42.4
  • 5 Holland 43.66
  • 6 Finland 47.7
  • 7 Norway 50.7
  • 8 England 53.7
  • 9 France - Polytechnique 55
  • 10 Austria 66.7
  • 11 Sweden 78
  • 12 Slovkia 89
  • 13 Poland 91
  • 14 Scotland 91
  • 15 Croatia 95
  • 16 Canada 96
  • 17 Italy 96
  • 18 Japan 110